Vorreiter*innen

Würzburger Synode, Donaupriesterinnen, Osnabrücker Thesen

Die Forderungen nach einem gleichen Zugang für Frauen zu den kirchlichen Ämtern sind mindestens seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil prominent an die Entscheidungsträger herangetragen worden. Mehrere Generationen von Frauen* und Männern* forderten, dass Macht, Verantwortung und Dienst mit den Frauen gemeinsam ausgeübt werden. 

Wir wollen einen kleinen Einblick in vier spannende Etappen der Vorreiterinnen geben: Das Zweite Vatikanische Konzil, die Würzburger Synode, die Donaupriesterinnen und die Osnabrücker Thesen. Daneben gibt es selbstverständlich unzählige Geschichten von Engagement, die so nicht aufgeschrieben werden können. 

 

Das Zweite Vatikanische Konzil

1962 verfassten Ida Raming und Iris Müller eine Eingabe an das Konzil, worin sie die volle Gleichstellung von Frauen forderten (d.h. den Zugang zum Diakonat und Priesteramt). Dabei handelt es sich wohl um das erste Mal, dass diese Forderungen derartig deutlich formuliert werden. Das Zweite Vatikanische Konzil folgte dem jedoch nicht, sondern öffnete den Diakonat nur für verheiratete Männer.

 

Würzburger Synode (1971-75)

Von 1971 bis 1975 kamen Repräsentant*innen aus allen Bistümern der damaligen Bundesrepublik zur Würzburger Synode (offizieller Titel: „Gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland“) zusammen, Laien und Amtsträger. Die bis dahin einzigartige Versammlung sollte die Verwirklichung der im zweiten vatikanischen Konzil gefassten Beschlüsse fördern. Die Würzburger Synode sprach sich klar für das Frauendiakonat aus. Sie übernahmen dabei die Argumentation, die während des Zweiten Vatikanum ausschlaggebend war für die Einführung des Diakonats für Männer.

Beschluss der Würzburger Synode zur Frage des Frauendiakonats: „Viele Frauen üben in vielen Kirchenprovinzen, nicht nur in Missionsgebieten, eine Fülle von Tätigkeiten aus, die an sich dem Diakonen-Amt zukommen. Der Ausschluss dieser Frauen von der Weihe bedeutet eine theologisch und pastoral nicht zu rechtfertigende Trennung von Funktion und sakramental-vermittelter Heilsvollmacht. Ein weiterer Grund liegt darin, dass die Stellung der Frau in der Kirche und Gesellschaft es heute unverantwortlich erscheinen lässt, sie von theologisch möglichen und pastoral wünschenswerten amtlichen Funktionen in der Kirche auszuschließen. Schließlich lässt die Hineinnahme der Frau in den sakramentalen Diakonat in vielfacher Hinsicht eine Bereicherung erwarten, und zwar für das Amt insgesamt und für die in Gang befindliche Entfaltung des Diakonats im besonderen“. (Beschluss der Würzburger Synode zu Dienste und Ämter, OG I, 617).

 

Donaupriesterinnen (Danube Seven)

Machen statt sich bequatschen lassen: Aus Protest gegen den Ausschluss von Frauen von Weiheämtern ließen sich am 29. Juni 2002 sieben Frauen aus Deutschland, Österreich und den USA (Christine Mayr-Lumetzberger, Gisela Forster, Adelinde Roitinger, Ida Raming, Iris Müller, Dagmar Braun Celeste, Pia Brunner) auf einem Donauschiff vom argentinischem Bischof Romulo Antonio Braschi zu Priesterinnen weihen - nach rk. Ritus und nach Absolvieren eines dreijährigen Ausbildungskurses. Am 27. Juni 2003 ließen sich zwei von ihnen noch zu Bischöfinnen weihen. Nach dem Kirchenrecht konnte, trotz Handauflegens etc., keine Weihe stattfinden (denn c. 1024 CIC bestimmt: Die heilige Weihe empfängt gültig nur ein getaufter Mann.). 

Provoziert durch die Aktion reagierte man kirchlicherseits mit der Exkommunikation der Frauen und des Bischofs wegen Simulation/Vortäuschung einer Sakramentenhandlung (c. 1379 CIC) als Tatausführende und unentbehrliche Tatbeteiligte und wegen Schismas (c. 1364). Man exkommunizierte die Frauen noch 2002, da sie keine Reue und Umkehr zeigten. 2007 wurde im Blick auf die Donaupriesterinnen von der Kongregation für die Glaubenslehre ein neuer Straftatbestand der versuchten heiligen Weihe einer Frau eingeführt. Er belegt die Weihe einer Frau direkt mit der Exkommunikation.  Angestoßen durch die Aktion, ließen sich danach weitere Frauen zu Priesterinnen weihen (s. www.virtuelle-dioezese.de, Bewegung „Römisch Katholischen Priesterinnen“, „RCWP – Roman Catholic Womenpriests“)

 

Osnabrücker Thesen

2017 trafen sich katholische und evangelische Theolog*innen, Verbände und Einrichtungen zu einem ökumenischen Kongress und verabschiedeten 7 Thesen, die es zu lesen lohnt. Unter den Kongressmitgliedern waren dabei Prof. Dr. Margit Eckholt (Osnabrück), Prof. Dr. Dorothea Sattler (Münster) und Bischof Franz-Josef Bode.

 

„Nicht der Zugang von Frauen zu den kirchlichen Diensten und Ämtern ist begründungspflichtig, sondern deren Ausschluss“ (3. These der Osnabrücker Thesen).

 

Sie fordern unter anderem, dass alle Dienste auch für Frauen geöffnet werden sollen, gerade vor dem Hintergrund, dass die Frage immer offenbleiben muss, ob der Mensch göttliche Anweisungen über das kirchliche Amt bezeugen kann. Sie fordern wertschätzende Diskussionen im Miteinander – gerade für die Ökumene. 

Wie man sieht, gibt es seit über 60 Jahren Stimmen, die den vollen Zugang von Frauen zu Macht, Verantwortung und Dienst fordern, Diskussionen führen, Eingaben machen, sich zusammenschließen. Und auch wenn es noch keine grundlegende Änderung des Kirchenrechts gab, sind das Stimmen, die Mut machen, sich ihnen anzuschließen, damit sich eines Tages etwas grundlegend bewegt.

 

Autorin: Luisa

Literatur:

Ida Raming: 55 Jahre Kampf für Frauenordination in der katholischen Kirche: Eine Pionierin hält Rückschau, 2018.

 

Dissertation von Barbara Velik-Frank, Graz 2016: https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/1592847?originalFilename=true

 

Volltext der Osnabrücker Thesen: https://www.kath-theologie.uni-osnabrueck.de/fileadmin/PDF/Osnabr%C3%BCcker_Thesen_Endversion__komplett_9-12.pdf

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