Synodaler Weg - Forum IV

"Die Bringschuld umkehren -
Perspektiven queerer Menschen auf die Themen des Synodalen Wegs"

 

Der folgende Text ist als Diskussionsbeitrag für das Synodalforum IV „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe Leben in Sexualität und Partnerschaft“ entstanden. Die Verfasser*innen Mirjam Gräve, Hendrik Johannemann und Mara Klein sind Mitglieder des Forums. Ziel des Textes war und ist es die Perspektive queerer Gläubiger auf eine konstruktive Art und Weise in die Beratungen des Forums einzubringen. Der Beitrag wurde im Dezember 2020 – wie auch ein weiterer Text – mit großer Offenheit im Synodalforum beraten. Im Vorfeld der zweiten Synodalversammlung soll dieser Text nun der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, um einem dringend notwendigen Wandel bezüglich kirchlichen Handelns und kirchlicher Lehre Nachdruck zu verleihen.  

hier veröffentlicht am 24.09.2021

Die Bringschuld umkehren -
Perspektiven queerer Menschen auf die Themen des Synodalen Wegs

„Du liebst alles, was ist, und verabscheust nichts von dem, was du gemacht hast; denn hättest du etwas gehasst, so hättest du es nicht geschaffen. Wie könnte etwas ohne deinen Willen Bestand haben oder wie könnte etwas erhalten bleiben, das nicht von dir ins Dasein gerufen wäre? Du schonst alles, weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens.“ (Weish 11,24–26)

Eingebracht von

(alphabetische Reihenfolge):


Mirjam Gräve, Hendrik Johannemann, Mara Klein (Mitglieder des Synodalforums „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“)


Bonn, Berlin und Halle (Saale),
1. Juli 2020

 

Welch eine Botschaft, welch eine Gewissheit. Gott bestärkt uns durch seine Liebe, diese Liebe ermutigt, ja befähigt uns in Liebe seiner Größe als Gotteskinder durchs Leben zu schreiten und wiederum unsere Nächsten zu lieben.


Mit festem Glauben, mit Gottvertrauen, mit Jesus an ihrer Seite gehen auch viele gleichgeschlechtlich liebende, viele trans- und intergeschlechtliche Menschen durchs Leben. Unsere sexuellen Orientierungen und unsere Geschlechtsidentitäten stellen dabei oft eine Prüfung für uns dar. Eine Prüfung, unter der Betroffene und ihre Angehörigen gleichermaßen leiden. Keineswegs jedoch, weil wir so sind, wie wir sind: Teil Gottes guter Schöpfung. Nein, die mitunter offene Ablehnung seitens unserer Kirche, der Vorwurf der Sündhaftigkeit unseres Seins und Liebens und das Absprechen unseres Natürlichseins, unseres Gottgewolltseins, machen es uns schwer unseren Glauben zu leben.
 

 Nadelstiche 


Unser Glaube wird uns abgesprochen, wenn wir annehmen, wer wir sind. Wenn wir uns gar nicht ändern können. Wenn wir deswegen nicht das Risiko für unsere psychische und physische Gesundheit eingehen der hartherzigen und realitätsfernen katholischen Sexuallehre zu folgen. Die Bibelstellen, die – unter geflissentlicher Nichtbeachtung einer historisch-kritischen Einordnung und Entkräftung – gerne zitiert werden, sind da noch das geringere Übel. Schlimmer wiegt, wenn uns kontinuierlich suggeriert wird, dass uns Gottes Liebe nicht zuteilwerden kann, sofern wir nicht enthaltsam leben. Was tut dies unserem Glauben an, was unserem Gottvertrauen, unserem Gottesbild? Wenn Kinder und Jugendliche sich ihrer Sexualität und ihrer Geschlechtsidentität bewusstwerden und dann aus katholischen Mündern hören, sie seien eine „Regenbogenpest“. Was macht das mit uns? Wenn unsere Beziehungen mit Gangsterbanden gleichgesetzt werden, da dort doch auch Werte wie Verlässlichkeit, gegenseitige Fürsorge und Loyalität gelebt würden. Was macht das mit uns? Wenn Homosexualität immer wieder mit Pädophilie gleichgesetzt wird, gerade auch unter Berufung auf die MHG-Studie, die freilich ganz andere Zusammenhänge offengelegt hat, welche jedoch bewusst übergangen oder verkürzt dargestellt werden. Was macht das mit uns?


Den Apologet*innen einer solchen Verächtlichmachung sei gesagt: Gerade Menschen, die trotz alledem sich und ihrem Glauben treu bleiben wollen, die (noch) nicht an der Institution Kirche zerbrochen sind und die nicht aus Selbstschutz den Kirchenaustritt gewählt haben, gerade diese Menschen verfolgen aufmerksam, was unsere Kirchenoberen von sich geben. Und jedes Mal tut es weh. Jedes Mal ist es wieder ein Kampf, eine zermürbende Abwägung, ob man diesen tausendsten Nadelstich nun noch aushalten kann. So widersprüchlich es klingen mag: Für viele ist gerade in solchen Situationen die christliche Botschaft ein wichtiger Halt. Eben jene Botschaft, die nicht vorschnell aburteilt, die nicht einem Fetisch vermeintlicher Reinheit frönt, sondern Gottes radikale Liebe allen Menschen gewährt. Und sie gibt uns die Sicherheit: Meine Beziehung ist von Gott gewollt, ja ist von Gott bereits gesegnet, auch wenn die kirchliche Institution uns den Segen, das Sakrament verweigert.


Es darf nicht mehr der gleichmacherische Grundsatz aufgeworfen werden, dass wir – wir verstanden als jeder Mensch – allesamt Sünderinnen und Sünder seien, um den wahren Gehalt dieser Aussage zu kaschieren (etwa: „aber die Homosexuellen sind die schlimmeren Sünder“). Ja, der Herr weiß um unsere Schwächen, um unsere Gebrochenheit und er begleitet uns barmherzig und in seiner allumfassenden Liebe auch in schweren Zeiten. Doch es verbietet sich Homosexualität, Bisexualität, Trans- und Intergeschlechtlichkeit per se in diese Gebrochenheit einzugliedern, ja als Kirche diese Menschen überhaupt erst zu gebrochenen Existenzen zu machen. Ein solches Reden und Handeln widerspricht nach unserer tiefsten Glaubensüberzeugung den grundlegenden Aussagen des Evangeliums und steht unserer Kirche nicht gut an.

 Barmherzigkeit? 


Oft wird angeführt: Die Position der katholischen Kirche zu Homosexualität sei ja angeblich schon so barmherzig – vor allem im Vergleich zu noch viel offenerer Feindseligkeit etwa aus manchen evangelikalen Kreisen. Sie ist es nicht. Auch wenn der Katechismus mahnt, uns nicht „in irgendeiner Weise zurückzusetzen“ und uns (zumindest im Wortlaut der deutschen Version) mit Achtung, Mitleid (!) und Takt zu begegnen, bleiben dies hohle Worte. Einerseits, weil viele hohe Kirchenvertreter nicht einmal diesen Geboten Folge leisten. Man denke nur an die Geschehnisse in Polen, wo rechtsextreme Mobs LGBT-Veranstaltungen angreifen und etliche Gemeinden und Regionen sich zu „Zonen frei von LGBT-Ideologie“ erklären, und dies mit Schützenhilfe von höchsten katholischen Stellen. Oder an die vielen Menschen weltweit, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität unter staatlicher Verfolgung leiden. Zumeist vernehmen wir von offizieller katholischer Seite in diesen Fragen – bestenfalls, möchte man ahnungsvoll hinzufügen – ein ohrenbetäubendes Schweigen.


Die bruchstückhafte und ambivalente Toleranz seitens der Kirche hilft uns andererseits auch ganz konkret, persönlich kein bisschen. Uns soll weisgemacht werden, dass ein „gottgefälliges“ Leben auch für uns möglich sei. Doch daran sind schier unerfüllbare Bedingungen geknüpft. Und entscheidender: Dazu wird uns eingeredet, dass unsere Liebe keine wahre Liebe sei, dass unser Sex nicht gottgewollt sei, dass unsere Körper und Seelen nur dann akzeptabel seien, sofern sie in ein enges, humanwissenschaftlichen Erkenntnissen entgegenstehendes Zweigeschlechterkorsett passen. Uns wird tagein tagaus suggeriert, dass wir irgendwie „falsch“ sind. All dies sind Sichtweisen, die in einem bestimmten, historisch gewachsenen (tatsächlich in dieser Form noch sehr jungen!) theologischen Modell logisch erscheinen mögen. Doch wird damit in Kauf genommen, dass Gläubige daran zerbrechen, weil ihr Innerstes eben doch abgelehnt und angegriffen wird.
Um es an dieser Stelle ganz klar zu sagen: Konversionsbehandlungen und ihre „Light-Version“, die „Ermutigung“ zu einem enthaltsamen Leben, sind unter keinen Umständen akzeptabel. Hier wird Menschen unfassbares Leid angetan, ihre Würde und personelle Integrität werden massiv angegriffen. Betroffene, von denen sich auch viele als „Überlebende“ bezeichnen, berichten von spirituellem Missbrauch, von emotionalen und geistigen Traumata, da sie etwa in ständiger Schande leben und Angst vor Zurückweisung, gerade auch durch ihre Glaubensgemeinschaft, haben. Auch psychische Verletzungen wie Depressionen, Suizidtendenzen und posttraumatische Belastungsstörungen sind empirisch nachweisbar eine häufige Konsequenz. Mitunter wurde und wird Betroffenen sogar körperliches Leid angetan, z.B. durch Elektroschocks oder Lobotomien. Zudem entstehen häufig Beziehungstraumata, wenn Betroffene etwa heterosexuelle Ehen eingehen und Kinder bekommen, die Ehen aber dann scheitern. Auch Eltern, die aus falsch verstandener oder falsch gelehrter und gelernter Gottgefälligkeit ihre transgeschlechtlichen, lesbischen oder schwulen Kinder ablehnen oder gar verstoßen, lösen unvorstellbares Leid aus. Uns wird allzu oft vorgeworfen, unsere Partnerschaften würden die Institution Familie zerstören. Wie diese Beispiele zeigen, ist das Gegenteil der Fall: Die Kirche zerstört das Glück vieler Familien, indem ihre Lehre ohne Not Kinder, Geschwister, Eltern, Onkel und Tanten zu Ausgestoßenen bzw. Außenseiter*innen macht. Gott sei Dank, hat der Bund vor Kurzem ein Verbot solcher Konversionsbemühungen, zumindest für Minderjährige, auf den Weg gebracht.


Der Aufruf zum Leben in Keuschheit ist abzulehnen, da er auf den gleichen menschenfeindlichen Prämissen beruht: Menschen wird eingeredet (gar nicht unbedingt aktiv, sondern womöglich auch durch die nicht enden wollenden, oben beschriebenen Nadelstiche), ihre sexuelle Orientierung oder ihre Geschlechtsidentität sei christlich betrachtet schlecht, was durch eine vermeintliche Bekehrung, ein enthaltsames Leben, eine feste christliche Gemeinschaft und ein folgsames Beachten der „reinen Lehre“ wettgemacht werden könne. Die so genannte „Bruderschaft des Weges“ behauptet beispielsweise neuerdings, dass sie Konversionsbehandlungen ablehne und „ergebnisoffene Prozesse“ für Menschen anstoßen wolle, die ihre Sexualität und Geschlechtsidentität als „konflikthaft“ empfänden. Als bedenkliche Umkehrung der Tatsachen empfinden wir deren aktuelle diskursive Strategie sich selbst als diskriminierte Minderheit zu gerieren. Die pathologisierenden Mechanismen greifen auch hier und sind wortwörtlich zu verstehen: Menschen werden unter „christlichem“ Deckmantel weiterhin krank gemacht, krank geredet, was analog zu offensiveren Konversionsbemühungen einen schwerwiegenden, gewaltvollen Eingriff in die Menschenwürde darstellt.


 Wir sind keine Ideologie 


Wir, das sind auch transgeschlechtliche und intergeschlechtliche Menschen. In den vergangenen Jahren ist ein stärkerer Fokus kirchlicherseits auf diese Menschen zu beobachten – leider nicht im Sinne einer wohlwollenden pastoralen Begleitung oder einer ernsthaften theologisch-wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Thematik. Unter Rückgriff auf den Schöpfungsbericht und mit dem Vorwurf der „Gender-Ideologie“ werden intergeschlechtliche und transgeschlechtliche (aber auch homosexuelle) Menschen vermehrt ausgegrenzt, pathologisiert und verächtlich gemacht. Für das römisch-katholische Lehramt gilt weiterhin das Gebot der natürlichen, gottgewollten und ausschließlichen Zweigeschlechtlichkeit, die biologisch an körperlichen Kriterien festgemacht wird und auf der Komplementarität von Mann und Frau beruhe. Dabei verkennt bzw. missachtet das Lehramt weitestgehend Erkenntnisse aus Psychologie, Medizin und Anthropologie, nach denen Geschlecht auch weitere Dimensionen enthält, etwa die Geschlechtsidentität (das Wissen eines Menschen über sein eigenes Geschlecht) und den Geschlechtsausdruck (die Handlungsweisen und Präferenzen, die gesellschaftlich häufig einem bestimmten Geschlecht zugeschrieben werden). Die als ideologisch wahrgenommenen bzw. so gebrandmarkten Gender-Theorien seien besonders problematisch, da sie angeblich von einer völligen Wahlfreiheit sexueller und geschlechtlicher Identitäten ausgehen. (Was gleichzeitig einem traurigen Treppenwitz der Geschichte gleichkommt, wenn wir uns die oben beschriebene angebliche Möglichkeit von Konversionsbehandlungen vor Augen führen.) Dabei besteht die tatsächliche Wahlfreiheit darin, nach Jahrhunderten der gesellschaftlichen und staatlichen Ausgrenzung und Verfolgung endlich offen und unbelastet diejenigen sein zu dürfen, die wir sind.


Kirchenpolitische und – das darf hier nicht ausgeklammert werden – politische Kämpfe werden auf dem Rücken sexueller und geschlechtlicher Minderheiten ausgetragen. Einige kirchliche Vertreter*innen veranstalteten regelrechte Feldzüge gegen geschlechtliche und sexuelle Vielfalt in Bildungsplänen oder gegen die Einführung zivilrechtlicher Anerkennungsformen gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Auch hier muss kirchlichen Akteur*innen klar sein, was sie anrichten: Nach den riesigen Protesten gegen die Ehe für alle in Frankreich 2013, in denen auch die katholische Kirche aktiv mitgemischt hat, sind Gewalttaten gegen Lesben, Schwule und Transpersonen rasant angestiegen. Auch hier war der im Katechismus geforderte Respekt gegenüber homosexuellen Personen offensichtlich in Vergessenheit geraten. Unter dem Vorwand des Schutzes von Ehe und Familie hat unsere Kirche massiv Ausgrenzung betrieben, hat womöglich irreparable Verletzungen hervorgerufen. Und dabei kann uns niemand logisch erklären, wie wir, wie unsere Beziehungen eine ernsthafte Gefährdung für diese Institutionen darstellen. Manche – auch katholische Vertreter*innen – gehen noch weiter und sehen gar die gesamte Kirche, Gesellschaft und Nation durch uns, durch eine herbeifantasierte „Homo-Lobby“ bedroht. Diese Behauptungen sollten in ihrem gefährlichen Extremismus sehr ernst genommen werden.


 Umkehrung der Bringschuld 


An vielen Stellen nehmen wir aber auch großartige und heilsame Bewegung und Unterstützung wahr. Wir haben erfahren, dass zahlreiche Menschen inner- und außerhalb der Kirche an unserer Seite stehen. Es gibt immer mehr Priester, Ordensleute, Kirchenangestellte und Laienkatholik*innen, die für uns da sind und sich für uns einsetzen. Dafür sind wir sehr dankbar, mussten wir uns doch über Jahrzehnte unsere Schutzräume, unsere Lebens- und Glaubensräume in unserer Kirche mühsam selbst aufbauen und aufrechterhalten. Es wird nicht mehr stillschweigend hingenommen, wenn Kirchenangestellte aufgrund ihrer sexuellen Orientierung entlassen werden sollen, ein Priester wird nicht mehr geschasst, wenn er sich nach langem Leidensweg als homosexuell outet, und viele katholische Instanzen äußern sich vermehrt und ausdrücklich positiv zu nicht-heterosexuellen Gläubigen und ihren Beziehungen. Dies alles sind Hoffnungsschimmer, dass sich die allumfassende, radikale Liebe Gottes tatsächlich, wenn auch in kleinen Schritten, für alle Menschen offenbart, nicht nur in Deutschland, sondern hoffentlich auch in der Weltkirche. Die theologischen Grundlagen liegen schon seit Langem in den Schubladen und zum Glück muss sich mittlerweile auch niemand mehr fürchten sie zu nutzen.


Wir sind froh, dass wir bei diesem Weg mit von der Partie sind, dass mit und nicht nur über uns gesprochen wird. Aber – und das möchten wir auch mit diesem Text bezeugen – uns fällt diese Teilnahme mitnichten leicht. Die katholische Kirche Deutschland schickt sich an, in Betracht zu ziehen, ob wir vielleicht auch offiziell nicht mehr menschenunwürdig behandelt werden könnten. Wir bitten darum, dass dies als das wahrgenommen wird, was es für uns ist: eine anmaßende und ungeheuerliche Zumutung und Belastung.


Die katholische Kirche ist oftmals nicht nur kein Schutzraum für uns, sie ist ein Ort, wo wir jederzeit damit rechnen müssen, dass unsere Würde und unser Menschsein angegriffen werden. Trotzdem sind wir hier. Trotzdem steht Janosch Roggel in der ersten Synodalversammlung auf und sagt in diesen Raum hinein, dass sein rechtloser Status in der katholischen Kirche von seinem Missbrauchstäter ganz selbstverständlich gegen ihn benutzt wurde in einem tiefgreifenden Akt des Machtmissbrauchs. Er hatte Angst, sich in der Not der erfahrenen sexualisierten Gewalt sogar seinen Lieben zu offenbaren, weil er nicht wollte, dass sie deswegen die Kirche verlassen.  
Umso stärker möchten wir bekräftigen: Nicht wir haben die Bringschuld. Unsere Kirche, deren fester, geliebter, vollumfänglich akzeptierter Teil wir sein möchten und in unserem Selbstverständnis bereits sind, muss einen – hoffentlich großen – Schritt auf uns zugehen. So lange ein „Wer bin ich, sie zu verurteilen“ ohne konkrete Folgen bleibt, ist uns nicht geholfen. In Anlehnung an den bekannten Film des schwulen Regisseurs Rosa von Praunheim „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ ließe sich für unsere Zwecke handlungsleitend formulieren: Nicht Lesben, Schwule, Trans- und Interpersonen und ihre Lebens- und Liebesweisen sind sündhaft, sondern die Art, wie unsere Kirche mit ihnen an vielen Stellen umgeht.


Wir glauben an den einen Gott und das Evangelium. Wir glauben an die katholische Kirche. Wir können jedoch so, wie sie jetzt ist, nicht unbeschadet und menschenwürdig in ihr existieren. Wir sind hier, um mit der katholischen Kirche Deutschland, als Vertreter*innen der Gläubigen gemeinsam mit den Amtsträgern einen Weg zu beginnen, der unsere Kirche zu dem machen kann, was sie für sich als Selbstaussage beansprucht: zu einem heilbringenden Schutzraum für die Verletzlichen und Angegriffenen.

Mirjam Gräve, Hendrik Johannemann, Mara Klein (Mitglieder des Synodalforums „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“)


Bonn, Berlin und Halle (Saale),
1. Juli 2020

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