Maria 2.0

Über die Potenziale von Agape-Feiern

Heute feiert Maria 2.0 bundesweit draußen auf den Kirchplätzen Agape, während drinnen in den Kirchen Eucharistie gefeiert und an manchen Orten sogar geweiht wird. Geweiht wird wieder keine Frau und drinnen steht jeweils ein Mann dem Gottesdienst vor.

Dem Protest von Maria 2.0 haben wir uns angeschlossen. 
Obwohl wir gerne mittendrin dabei wären, fühlt es sich nicht richtig an, mitzufeiern bei einem kirchlichen Fest, das allein Männern vorbehalten ist. 
Denn an der Priesterweihe wird am deutlichsten vor Augen geführt: Frauen wird dieser Weg allein aufgrund ihres Geschlechtes versperrt. Frauen sind hier nicht erwünscht. Deswegen bleiben wir mit Maria 2.0 draußen und feiern, was möglich ist: Agape.

Was wir unter Agape-Feiern verstehen

Bei Agapefeiern wird gemeinschaftlich das Brot geteilt - nach dem Vorbild der ersten Christ*innen. Agape kann dabei von jedem*r gefeiert werden. Das ist auch ein Stück "spirituelle Autonomie" (Doris Reisinger). Die Frage der Jesus-Nachfolge wird damit auch 2020 in Zentrum gerückt: Man erinnert sich der Nachfolge der ersten Christ*innen. Zur Nachfolge aufgerufen ist jede*r. Die Agape erinnert die Gemeinschaft und das letzte Abendmahl, während die Eucharistie das letzte Abendmahl und den Kreuzestod vergegenwärtigt. 

 

Das Agape-Bild spricht für sich: Lai*innen, die das Brot teilen, die Gemeinschaft feiern und ein Zeichen setzen. Gottesdienst feiern und den Glauben zum Ausdruck bringen - das geht auch ohne Priester. Vision bleibt eine Kirche, in der dies alles gleichberechtigt und gemeinschaftlich möglich ist. 

Wie haben es die ersten Christ*innen gemacht? Im Folgenden gibt es für neugierige Leser*innen Texte aus der frühsten Anfängen des Christentums, die die Zusammenkünfte von Christ*innen zu Agape-Feiern schildern:

 

Agape-Feiern in den Anfängen des Christentums

 

Agape (ἀγάπη = Liebe)

 

 

Das Leben der jungen Gemeinde in Jerusalem nach Lukas

 

„Alle wurden von Furcht ergriffen; und durch die Apostel geschahen viele Wunder und Zeichen. Und alle, die glaubten, waren an demselben Ort und hatten alles gemeinsam. Sie verkauften Hab und Gut und teilten davon allen zu, jedem so viel, wie er nötig hatte. Tag für Tag verharrten sie einmütig im Tempel, brachen in ihren Häusern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Lauterkeit des Herzens. Sie lobten Gott und fanden Gunst beim ganzen Volk. Und der Herr fügte täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu, die gerettet werden sollten.“ (Apg 2,43-47)

 

Blitzlicht aus der Forschung:

„Als Inhalt dieser häuslichen Versammlungen nennt die Apostelgeschichte das Brotbrechen und Mahlhalten 'in Freude und Lauterkeit des Herzens' (2,46). Im Licht anderer Schriftstellen (Apg 20,7; 1 Kor 10,16-21; 11,17-34) ist darunter sowohl die brüderliche Agape wie auch das eucharistische Mahl zu verstehen.“ (Adolf Adam/ Winfried Haunerland (Hg.): Grundriss Liturgie, Freiburg 2012, 32)

 

 

Ignatius von Antiochien, Briefe, ca. 1./2. Jhd. n. Chr.

„Wo der Bischof erscheint, dort soll die Gemeinde sein, wie da, wo Christus Jesus ist, die katholische Kirche ist. Ohne Bischof darf man weder taufen, noch das Liebesmahl halten; was aber jener für gut findet, das ist auch Gott wohlgefällig auf daß alles was ihr tut, sicher und zuverlässig sei.“ (Ignatius, Epistula ad Smyrnaeos 8,1f)

 

 

Blitzlicht aus der Forschung:

„Die möglicherweise bereits um das Jahr 110 verfassten sieben Briefe des Bischof Ignatius von Antiochien lassen die schon in den Pastoralbriefen erkennbare Sorge, den Gottesdienst vor Verfälschung durch Irrlehrer zu schützen, besonders deutlich erkennen. Darum sollen sowohl Taufe als auch Eucharistie, Agape und Eheschließung nur in Übereinstimmung mit dem Bischof vorgenommen werden“ (Adolf Adam/ Winfried Haunerland (Hg.): Grundriss Liturgie, Freiburg 2012, 35-36)

 

Plinius der Jüngere an Trajan, Briefe 10, 96f., ca. 108/113 n. Chr.

„(7) Sie beteuerten jedoch, ihre ganze Schuld oder auch ihre Verirrung habe darin bestanden, daß sie gewöhnlich an einem fest gesetzten Tag vor Sonnenaufgang sich versammelt, Christus als ihrem Gott im Wechsel Lob gesungen (quod essent soliti stato die ante lucem convenire carmenque Christo quasi deo dicere secum invicem) und sich mit einem Eid (sacramentum) verpflichtet hätten – nicht etwa zu irgendeinem Verbrechen, sondern [gerade] zur Unterlassung von Diebstahl, Raub, Ehebruch, Treulosigkeit und Unterschlagung von anvertrautem Gut. Danach sei es bei ihnen Brauch gewesen, auseinanderzugehen und [später] wieder zusammenzukommen, um ein Mahl einzunehmen, allerdings ein ganz gewöhnliches und unschuldiges; selbst das aber hätten sie nach meinem Edikt eingestellt, mit dem ich entsprechend deinen Verfügungen das Bestehen von Hetärien [Vereinen] verboten hatte. (8) Um so mehr hielt ich es für angezeigt, aus zwei Sklavinnen, sog, >Dienerinnen< (ministrae [=Diakonissen!]), die Wahrheit unter der Folter herauszubekommen. Ich fand aber nichts anderes heraus als minderwertigen, maßlosen Aberglauben (superstitio).“ 

 

(Ritter, Adolf Martin. Alte Kirche. Vol. 1 of Kirchen- Und Theologiegeschichte in Quellen. Ed. Heiko A. Oberman. 4 vols. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, 1977, 14-16., online: https://www.uni-due.de/~gev020/courses/course-stuff/pliniusjun.htm (18.09.2020).)

 

 

Blitzlicht aus der Forschung:

„Es ist umstritten, ob sich bei der Feier ante lucem um eine Art Morgenlob, um den eucharistischen Wort- und Mahlgottesdienst oder um eine Tauffeier, bei dem späteren Mahl um das abendliche Herrenmahl oder um eine nichteucharistische Agape handelt.“ (Karl-Heinrich Bieritz, Liturgik, Berlin 2004, 306)

20.09.2020

 

 

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