DISKUSSIONEN-SURVIVAL-KIT

Jesus war ein Mann und hat nur Männer als Apostel in seinen engsten Nachfolgekreis berufen.


1. Bischöfe, nicht Priester, gelten als Nachfolger der Apostel. Deshalb hinkt der Vergleich schon als solcher. Der Zwölferkreis der Apostel dient der Repräsentation der zwölf Stämme Israels und ist als Zeichenhandlung zu verstehen. 2. Jesus hat vor allem Fischer vom See Genezareth als Apostel berufen. Wenn wir an einem der Attribute festhalten, dann sollten wir wohl an allen festhalten und die Fischerei in die Priesterausbildung integrieren. 3. Das Neue Testament kennt nicht nur Apostel, sondern auch die Apostelin Junia (Röm 16,7) und die Diakonin Phoebe. Gerade im Fall der Apostelin Junia hat nur die männerdominierte Kirchengeschichte viel daran gesetzt, ihren Namen auszulöschen. 4. Jesus war ein Mann, ja. Inhalt des christlichen Glaubensbekenntnisses ist die Menschwerdung G*ttes und nicht ihre*seine Mannwerdung. Christ*innen aller Geschlechter orientieren sich in ihrem Leben an Jesus von Nazareth und wollen ihm nachfolgen. Warum sollte die Nachfolge als Priester*in auf ein Geschlecht begrenzt sein? 5. "Wenn man das Neue Testament nach der Ordination der Frau befragt, so trägt man an es eine Frage heran, die in ihm nicht gestellt ist. Nicht einmal die Art und Weise der Leitung der Eucharistiefeier ist dort im Blickfeld." (Zitat Legrand, H. Die Frage der Frauenordination aus der Sicht katholischer Theologie, in: Warum keine Ordination der Frau? Unterschiedliche Einstellungen in den christlichen Kirchen, hrsg. von Gößmann, E., Bader, D, Freiburg, 95)




Warum werdet ihr nicht einfach evangelisch?


1. Ein Recht auf Mitgestaltung in der katholischen Kirche haben alle katholisch Getaufen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat das Priestertum aller Gläubigen noch einmal explizit gewürdigt (LG 10) und in diesem Sinne fordern wir einen offenen Diskurs zwischen dem Glaubenssinn aller Gläubigen, dem Lehramt und der Wissenschaft. 2. Wir sind in der katholischen Kirche aufgewachsen, waren unter anderem Ministrant*innen, Jugendleiter*innen und haben unseren Platz in dieser Kirche. Warum ist das Kriterium für das Katholischsein plötzlich die Haltung zur Priesterinnenweihe? Wer oder was katholisch ist, ist in einem gemeinsamen Diskurs aller Katholik*innen auszuhandeln. 3. Warum sollen die Betroffenen von Diskriminierung gehen und nicht diejenigen, die an den diskriminierenden Strukturen festhalten wollen, den Platz frei machen? 4 . Außerdem lässt die Frage außer Acht, dass auch die evangelischen Frauen erst für das Pfarrerinnenamt einstehen mussten - erst vor etwa 76 Jahren wurde ihnen das erlaubt und erst seit knapp 45 Jahren sind sie in ihrem Amt wirklich gleichgestellt. Man sieht an den Glaubensschwestern also, dass es sich kämpfen lohnt. 5. Evangelisch zu werden ändert auch nichts an der Situation, dass in der katholischen Kirche weiterhin Frauen diskriminiert werden. Die römisch-katholische Kirche stützt noch dazu als global player patriachale Denkmuster und allein das genügt im Sinne einer Solidarisierung als Grund, Veränderung zu fordern.




Die Kirchenbänke der protestantischen Kirchen sind trotz der Frauenordination auch nicht voller.


Der Zugang zum Amt ist aber keine Frage der vollen Kirchenbänke - es ist eine Frage der Gerechtigkeit.




Eigentlich geht es den Frauen doch nur um Macht, nicht um Dienst.


Richtig. Es ist eine Verschleierungstaktik davon zu sprechen, dass es in der römisch-katholischen Kirche nur um den selbstlosen Dienst gehe und nicht auch um Macht, wie in jeder anderen Organisation auch.

Macht wird in jedem sozialen Gefüge ausgeübt. Es geht also bei der Organisation von Kirche immer (auch) um Macht. Nur weil man nicht darüber spricht, heißt es nicht, dass es sie nicht gibt (vgl. Magnus Striet, Alles eine Frage der Berufung? Über Kirche und Macht, in: Stefan Kopp (Hg.): Macht und Ohnmacht in der Kirche, Wege aus der Krise, Freiburg 2020, 148-162).

Die deutschen Katholik*innen leben in einer Schizophrenie: Die Gleichberechtigung der Geschlechter ist in vielen Lebensbereichen des gesellschaftlichen Lebens selbstverständlich geworden. Seit vielen Jahren wird die BRD von einer Bundeskanzlerin politisch geführt. Im Raum der katholischen Kirche hingegen gelten diese Selbstverständlichkeiten plötzlich nicht mehr und Frauen bekommen die Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechts in jeder Eucharistiefeier zu spüren.




Johannes Paul II. hat in Ordinatio Sacerdotalis endgültig entschieden, dass Frauen nicht geweiht werden können.


1. Auf Ordinatio Sacerdotalis von Johannes Paul II. zu verweisen ist ein reines Autoritätsargument, im strengen Sinne kein theologisches Argument. 2. Johannes Paul II. hat mit Ordinatio Sacerdotalis versucht, die Frage nach der Weihe von Frauen zu Priesterinnen zu verbannen, die Sehnsucht vieler Frauen, ihre Berufung leben zu können ist - oft heimlich - geblieben. Wie die Aussage von Johannes Paul II. hinsichtlich der Unfehlbarkeit einzuschätzen ist, ist unter Kirchenrechtler*innen umstritten. Einige vertreten, dass die Lehre aufgrund von Formfehlern nicht unfehlbar vorgetragen wurde und der Mangel nicht nachträglich behoben wurde.




Es gibt kein Recht auf Berufung.


Wir glauben nicht, dass nur Männer als Priester*in berufen sind. Andere Berufungen werden jedoch von den Entscheidungsträgern nicht akzeptiert und als ungültig erklärt. Wir fordern, Menschen nicht weiter zu diskriminieren, indem sie aufgrund ihres Geschlechts von Diensten ausgeschlossen werden, sondern grundsätzlich alle Berufungen in Erwägung zu ziehen.




Ist das alles nicht ein deutsches oder zumindest ein europäisches Thema? Die Weltkirche ist noch nicht so weit.


Die Amazonien-Synode im Herbst 2019 hat gezeigt, dass auch in anderen Weltteilen eine Öffnung der Zugangsbeschränkungen zu den kirchlichen Weiheämtern gefordert wird. Auch dort werden mit dem Argument der Weltkirche Reformen verhindert.
Gerade Voices of Faith ( https://voicesoffaith.org) zeigt, dass der Ausschluss von Frauen von den kirchlichen Ämtern weltweit Frauen und Männer bewegt.




Gleichberechtigung ist nur eine modische Idee des Zeitgeists - wir sollten uns stattdessen auf überzeitliche Wahrheit konzentrieren.


In der Tat geht es darum, nicht einfach den neusten Moden hinterherzulaufen. Eine Mode kann mit den Vorurteilen einer Epoche den Blick verstellen. Das gilt es scharfsinnig und ehrlich zu vermeiden. Gleichberechtigung ist allerdings nicht eine neue Idee, sondern schon beim Apostel Paulus finden wir den Hinweis: "Da ist nicht jüdisch noch griechisch, da ist nicht versklavt noch frei, da ist nicht männlich und weiblich: denn alle seid ihr einzig-einig im Messias Jesus" (Gal 3, 28). Die Herausforderung von Jesus zu bedingungsloser Nächstenliebe ist eine gezielte Überforderung, die über unsere kleinkarierten menschlichen Gruppenzuordnungen hinausweist, und die menschengemachten Hierarchien und Ausgrenzungen zertrümmert. Die patriarchale Gesellschaft, in der Jesus auftritt, ringt damit, die Sklavenhalter-Gesellschaft tut sich schwer, die unbequemen Konsequenzen daraus zu ziehen. Es dauert Jahrhunderte, bis die christliche Herausforderung zu Gleichberechtigung sich auch in gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von vorgeblich "christlichen" Gesellschaften niederschlägt: in Form von Gesetzen, die Gleichberechtigung durchsetzen. Es war der modische Zeitgeist der patriarchalen Sklavenhaltergesellschaft, es waren die menschenfeindlichen Vorurteile dieser Zeit, die die überzeitliche Wahrheit von Gleichberechtigung als moralischer Pflicht für alle Menschen eine Zeit lang verdeckt haben. Es waren schmerzhafte Erfahrungen wie Kriege, Folter, Unterdrückung und Ermordung von Gruppen, die uns als Gesellschaft endlich haben erkennen lassen: Wir schulden allen Menschen die Gleichberechtigung als Ausdruck ihrer gleichen Würde. Gerade weil wir uns nicht für kleinkarierte Vorurteile interessieren sollten, sondern uns als Christ*innen von Jesus Ruf nach unbedingter Nächstenliebe herausfordern lassen, nicht stehen zu bleiben in unseren eingefahrenen Unterdrückungsstrukturen. Von den ersten Versuchen des Apostels Paulus, die engen Denkmuster seiner Zeit im Sinn von Jesus zu sprengen, bis zu #MeinGottDiskriminiertNicht führt die gerade Linie eines Lernprozesses.




Gleichberechtigung ist Gleichmacherei - ihr ignoriert die realen Unterschiede zwischen Menschen.


Es ist richtig und wichtig, die Unterschiede zwischen Menschen anzuerkennen. Das muss die Grundlage von Gleichberechtigung sein und ist kein Gegensargument. Nur so können wir die unterschiedlichen Bedürfnisse und Talente wahrnehmen und entsprechend handeln: einer Person das geben, was sie tatsächlich braucht, und umgekehrt ihre Talente in der Gesellschaft und Kirche zum Nutzen aller optimal einbringen. Gleichberechtigung verdeckt die Unterschiede zwischen Menschen nicht, im Gegenteil. Gleichberechtigung sagt, dass jede Person in ihrer konkreten, realen Unterschiedlichkeit wahrgenommen und aufgrund ihrer Taten, ihrer Fähigkeiten und ihrer Bedürfnisse bewertet wird. Diskriminierung im Gegensatz dazu verstellt den Blick auf die einzelne Person: Ein verallgemeinerndes Vorurteil über eine Gruppe (etwa: Frauen) verdeckt den Blick auf die einzelne Frau, ihre realen Talente, ihre Geschichte, ihre Bedürfnisse. Wer so ein verallgemeinerndes Vorurteil der Auseinandersetzung mit der konkreten Person vorzieht, handelt ungerecht. Jedes Mal, wenn für eine Position in der Kirche - für eine Priesterstelle, einen Bischofssitz, auch das Papstamt - Frauen von vorneherein nicht in Betracht gezogen werden, macht sich die Kirche der Ungerechtigkeit schuldig. Sie verliert die einzelne Person in ihrer einzigartigen Unterschiedlichkeit aus dem Blick, weil sie Menschen aufgrund solcher Oberflächlichkeiten wie vorderseitig unterleiblicher Hautausstülpungen in eine Gruppe zusammengepfercht hat, und nun nicht mehr in der Lage ist, Ähnlichkeiten und Unterschiede über Gruppengrenzen hinweg wahrzunehmen.





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